Kompetenz und Charisma

Kommunikationstraining


Seenot

Geschrieben am 15. März 2009 von Christina Khanji
Kategorien: Auszug aus Seenot

Seenot  (Auszug)  Christina Khanji 2009  

 

Mann: kräftig, nicht mehr jung; - Echo: eine der Nymphen (die Hera mit Geschichten ablenkte, während Zeus sich mit den anderen vergnügte; die Rache der Göttin: Echo verlor ihre Eigenständigkeit)  

1. SZENE

Ein Mann hockt angelnd in einem winzigen Segelboot - einem so genannten „Optimist(en)“ - mitten auf dem spiegelglatten Königssee. Es ist später Nachmittag als plötzlich Nebel aufzieht und der Himmel sich verdunkelt. Ein gewaltiger Sturm verwandelt den See in ein tobendes Ungeheuer. Von Ferne hört man noch den Trompeter vom See. Der Mann  sieht sein letztes Stündchen gekommen. In dem Höllenlärm des Wetters kämpft er um sein Leben; er hadert, zetert und heult. Was immer er aber auch versucht, das Boot hopst wie ein blöder Gummiball. Dann rotiert auch noch ein wilder Kugelblitz und schlägt ihm krachend den Mast weg. Nun ist das Boot manövrierunfähig. Jetzt gibt es keinen Ausweg mehr. Geschockt lässt der Mann alle Hoffnung fahren und übergibt sich gottergeben seinem Schicksal. 

Mann an den Bootsrand gekrallt Gott befohlen.Hallo?! Niemand. Keine Seel.So geht’s. Lacht bitter ()  Haha. Nicht wirklich komisch. Weint leise; schluchzt trocken. Verstummt. Minuten vergehen, geklammert an den Rand des schwankenden Boots. Mit einer Hand schöpft er eingedrungenes Wasser.Schwer atmend  Mein Leben. Lächelt versonnen Mein Leben verbringe ich damit, andere so zu betrachten, wie Menschen in einem Stadion Fußball schauen. (kichert irre) Mit Begeisterung, mit Zorn, mit Hingabe, mit Enttäuschung und dem nie ermüdenden Wunsch, ein Tor sehen zu wollen. Erstaunt Vielleicht klingt das, als wäre dies kein echter Beruf wie Torten backen, aber für mich ist es das. Seltsam berührt Warum ich so bin, wie ich bin, ein Mensch voller Zweifel und Ängste, weshalb ich mich gebunden, geradezu gefesselt fühle von einem spezifischen Unvermögen, das könnte ich möglicherweise begreifen, wüsste ich genau, was diese interessanten Kohlenstoffverbindungen hält. Ich betrachte also, und ich nehme teil. Ich spreche, und ich höre zu. Nachdenklich „Wie wichtig darf man sich finden“, frage ich und suche die Antwort im Gesicht meines Gegenübers. Ich bin noch nicht angekommen, denke ich. Hält inne Warum sollte ich auch? Eine Auflösung der Hemmnisse, das wäre mein oberstes Ziel. Entfesselung? Die verschiedenen Phasen meines Daseins erscheinen wie eine durchgehende Linie, die aus unzähligen Brüchen und Anfängen besteht. Glücksmomente bilden darauf sichtbare Knoten. Und wenn ich dann noch alles wegdenke, was mich wirklich stört, dann ist plötzlich alles gut. Im Lot. Beschwörend Aufrichtig gemeint, wenn ich das verdammte Unglück davon abziehe. Von Ferne jedoch ist mein Leben wohl nur eine Reihung von mehr oder minder zufälligen Ereignissen, zwischen denen ich genauso zufällig herumrenne, in der irrigen Annahme mein Leben selbst geführt zu haben. Streng „Schuldig!“, sagt die innere Stimme. „Du hast es versaut.“ Melancholisch Ein erschreckendes Rätsel dieser Zustand totaler Lebendigkeit.  Er verstört mich. Zutiefst. Das bin ich nämlich. Überbetont Verstört. Trocken Jedem noch so kranken Scheiß verhaftet. Also habe ich nicht eine Frau, sondern zehn. Ich fick nicht 2 x die Woche, sondern täglich Zwei. Ist doch krank. In meinem Alter könnte man sich das Leben wirklich leichter machen. Aber da es unerträglich kurz ist– das Leben- und enden wird im grausigen Nichts, stecke ich hinter dem Ereignishorizont als schwarzes Loch, das skrupellos und unersättlich sämtliche Materie saugt- weil es eben nicht mehr als eine Naturgewalt ist, die da passiert. Ich? Lakonisch Ich bin zutiefst erfreut, meine Bekanntschaft gemacht zu haben. Was sollte ich denn auch anderes sein? Vernünftig etwa? Ich bin jemand, der sich restlos fokussieren kann. In mir rückt sich einfach das Hirn zurecht. Bum, peng. Scheibchenweise zerlege ich meine Gedanken und schmier sie ihr aufs Brot. Johanna. Johanna hat immer was zu jammern. Sie ärgert mich. Sie ist halt nur eine, die zentnerweise Schrott auf mich lädt. Manchmal glaube ich, besser keine, aber das kann ja nur ein Trugschluss sein - von einem Extrem ins andere – das wäre die reinste Einsamkeit. Wahnsinn ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven: Macke braucht Kultur. Nicht bei Scheibe sein, einen ordentlichen Hau haben, ja, das ist der Stoff aus dem die Träume sind, - die mich heimsuchen, Nacht für Nacht. Johanna, du machst mich fertig! Aber ohne sie wären es nur Neun. Und ich kann mich so verdammt schlecht trennen, eine Art Abschieds – Phobie, heule gleich los, nur weil ich daran denken muss: Auf dem Bahnhof stehen mit dem weißen Taschentuch! Johanna, du musst dich ändern. Wir sollten reden, Frau. Was nützt es denn, wenn ich mich ändern würde, denn ich kann es nicht. Dein Delinquent würde rückfällig werden, das schwör ich dir.  Dieses unglaubliche Maß an Eitelkeit, das ist mir angeboren, ich sagte es dir ja. Vorwürfe können mich nicht mehr erreichen, Nummer Neun; dafür ist es nun zu spät, drum sei endlich still und sprich über etwas Gutes, Johanna! Ich weiß ja, Frauen sind zur Perfektion gemacht, anders als ein leidlich bemühter Mann, habt ihr einfach Recht. Ein Mann ist bestenfalls ein muskulöses, gut gekleidetes Tier, das euch schmücken soll. „ Deine geilen Allüren sind viehisch“, hast du zu mir gesagt. Kreischt  Und das ist keine Beleidigung? (paddelt wie von Sinnen mit den Händen) Ruft Eine verfluchte Scheißbeleidigung!Zu sich selbst Reg dich ab, Thomas. Schaut sich resigniert um  Es kommen keine besseren Tage

Duell im Parkhaus. Kurzfilm.Comedy

Geschrieben am 15. März 2009 von Christina Khanji
Kategorien: Kurzfilm

Viel Spass     Christina Khanji

Ciao 2008

Geschrieben am 27. Dezember 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Allgemein

Nutze die Zeit, sagt meine innere Stimme. Das gerade noch "neue" Theaterstück ist seit ein paar Wochen fertig und nicht mehr in meinen Pfoten, sondern in pfleglichen Dramaturginnenhänden. Also sitze ich und schreib ein weiteres und denke an Amsterdam. Im Hintergrund lauert ein Dokumentarfilm. Unterdessen reißt Jochen S. Bäume aus. Hat der Mann eine Kraft. Was für eine Präsenz. Gibt nicht viele Schauspieler, die qua Existenz und auf diese Weise Räume füllen. Und auch noch Kriminalromane schreiben, die mit Eleganz und Humor ein leichtes Grauen erzeugen. Was ist denn nun mit Gabriel? Werde mir nicht gar zu dünn, Mann. Ein Senf darf nicht mager sein. Die Bretter müssen beben, So long   

 

 

  

Salut Palu

Geschrieben am 11. Dezember 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Nachtnotizen

Ein langer Tag geht zu ende. Habe über mich "gelesen". Aus müder Blödheit. Mache ich mehr als selten. Rezensionen, Kritiken usw. Sofern ich die Artikel und Kommentare überhaupt aufspüren kann. Gütiger Himmel! Noch nicht so gut wie die Jelinek "1999". (Tagespiegel). Habe ich da was verpaßt? Hat E.J. nicht "kürzlich" einen Literaturnobelpreis erhalten? Noch nicht so gut? Oh je. Bin ìch nicht fast zwanzig Jahre jünger? Obwohl ich mich im Moment nicht so fühle.  Heute Nacht. Aber: es gibt noch Hoffnung. Hat es doch immer gegeben. Vielleicht habe ich Boden gut gemacht. Heute mit Jochen, dem Senf, über neues Stück "gesprochen". Ja, er ist mehr als eine gute Besetzung für den 'Gabriel'. Er ist ein richtig guter Kerl. Ein anständiger, zudem. Salut Palu, bis morgen.

Der scheußlichste Ort der Welt

Geschrieben am 21. November 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Der scheußlichste Ort der Welt

 

Eine Gruppe von 16 Frauen zwischen 25 und 60 Jahren. Fast alle sind türkischer oder arabischer Herkunft. Zwischen Moderne und Tradition - die Rücken gerade - ein Bild aufmerksamer Spannung. In ihren Gesichtern die Frage: Was zur Hölle ist eine Kommunikationstrainerin und vor allem, was will die von uns? Letzteres ist einfach: Ich wurde dafür engagiert, hier zu sein. 

Erst einmal muss ich mich aufladen, pumpe mich mit Adrenalin voll und mache einen Schritt in die Mitte. Und während ich die Blicke der anderen suche, ziehe ich sie in den Kontakt; rede und „coache" sie in eine Spirale, in der sie sich offenbar amüsiert drehen. Und dann „inszenieren" wir einen der scheußlichsten Orte der Welt, die Ausländerbehörde, um ihr den Giftzahn zu ziehen. - Eine Klapperschlange. Spielen das „Betreten dieser Büros", die „Kontaktaufnahme", die „Eingangssätze", die stützenden und schützenden Haltungen, die Wahrnehmungen dessen, was einem entgegen kommt, bis… ja, bis jede das Gefühl hat, diese quälende Situation zu bewältigen, sie sogar bis zu einem gewissen Grad lenken zu können. Und unsere Arbeit schien erst so harmlos zu sein: Ein präzises, aber unterhaltsames  Körpersprachetraining. Von den Grundlagen zu Statusübungen und schließlich die kulturellen Eigenheiten und Missverständnisse. Und immer wieder die quälende Frage nach dem Respekt. Wie man sich Achtung verschaffen kann! Wie eine Selbstpräsentation glücken kann, ohne sie gegen die Wand zu fahren  - wegen des Kopftuchs - der Herkunft und aller anderen Vorbehalte und Rassismen.

„In der Mittagszeit" erzählte eine Teilnehmerin, "bin ich in die Praxis meines Hausarztes. Als ich rein gehe, kommt der Essensdunst aus dem Hausflur. 'Na,' trötet die Arzthelferin, 'eben noch schnell bei der Dönerbude gewesen ?!' - Da stehe ich nun. Eine Frau von Vierzig. Teures Parfum. Gut gekleidet. (…) Diese Praxis sieht mich nie wieder."

Everyone says hi

Geschrieben am 20. November 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Nachtnotizen

Wenn du das liest, weißt du genau, dass wir miteinander gesprochen haben. Ein Blog ist offenbar doch nicht nur, wie du glaubst, für Pubertierende, denn wie alt ich heute bin, das ist dir ja bestens bekannt. Die acht Jahre, die wir nichts voneinander gehört haben, sind sicherlich nicht wie im Fluge vergangen. Die Menschen, die uns unterdessen starben, die Kinder, die "ausdrücklich" du bekamst, all die kleinen Unbilden und auch glücklichen Geschicke, sind für diesen kleinen Augenblick überbrückt. Schön zu wissen, dass es dir gut geht. Schön, deine 'immer noch junge Stimme', gehört zu haben.  Gute Nacht, bis die Tage

 

Nachtnotizen

Geschrieben am 16. November 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Nachtnotizen

Menschen verschiedenster Couleur. Seit bald 20 Jahren treffen wir uns. Türkischer, ugandischer, indischer, deutscher, jüdischer, thailändischer Herkunft und… essen, trinken, reden und feiern. Ja, gute Freunde. Heute Nacht war wieder unsere Party. Es ist 3 Uhr morgens, und wir „Schöneberger" hängen im Taxi ab. Zufrieden, voll des roten Weins. Der Taxifahrer kutschiert stoisch seine Fuhre und wundert sich. Was sind das für Menschen?  Das muntere Geplapper unterschiedlicher Akzente… und ein Hochdeutsch wie aus dem „Kleinen Hey", die Straßenlaternen sausen vorbei und wir - in diesem Taxi - sind der Nabel der Welt.   

Nachtnotizen

Geschrieben am 15. November 2008 von Christina Khanji
Kategorien: Nachtnotizen

…sind alle Katzen grau. Eine gute Zeit zum Schreiben.

"In der Stille des leeren Zimmers werde ich zur Höchstform getrieben, von einem Etwas, einem winzigen Geräusch, dessen Zirpen ich nicht ertrage, weil es meine Stimme ist, die den Raum nicht füllt, und ich wachse an meiner Winzigkeit, erfahre die Peinlichkeit der Kleinlichkeit, zum Kotzen elend an mir selbst, male ich ein prächtiges Bild in mein erbrochenes Unglück." ( aus "In Abwesenheit der Menschen" von Christina Khanji /Theater Zerbrochene Fenster/ )